Aktiv bei starker Kundgebung in Altdorf „Gewalt gegen Frauen geht uns alle an“ 

Rund 250 Menschen versammelten sich am 9. Mai auf dem Marktplatz in Altdorf zu einer Kundgebung unter dem Motto „Nein zur Gewalt an Frauen!“. Die Demonstration, die innerhalb von nur wenigen Wochen auf die Beine gestellt wurde, war ein eindrucksvolles Zeichen: Gewalt gegen Frauen ist kein Randthema und kein Privatproblem — sie ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, der wir uns gemeinsam stellen müssen.

Auch Mitglieder unseres Ortsverbandes waren aktiv in Organisation und Durchführung eingebunden, für uns war es selbstverständlich, bei diesem wichtigen Zeichen mitzuwirken — denn was in Altdorf, Schwarzenbruck oder Leinburg geschieht, geht auch die Menschen in Feucht und Moosbach an.

Die Kundgebung war geprägt von eindrucksvollen Redebeiträgen, Kunst, Musik und großer Solidarität — von persönlichen Gewalterfahrungen bis zu konkreten politischen Forderungen. Dr. Bianca Pircher, Fraktionssprecherin der Grünen im Kreistag, beschrieb vielfältige alltägliche Gewalterfahrungen von Frauen und bekräftigte die Forderung der Grünen im Landkreis nach einem eigenen Frauenhaus im Nürnberger Land. 

Erschütternd konkret wurde es durch den Beitrag von Angelika Brandstätter, Mitbegründerin und Vorständin des Frauenhauses Schwabach: Das auch für den Nürnberger Land zuständige Frauenhaus muss ständig hilfesuchende Frauen abweisen — weil die Kapazitäten schlicht nicht ausreichen. Das darf nicht so bleiben!

Besonders berührt hat viele der Beitrag von Sonja Ständner, die von eigenen Gewalterfahrungen als Kind, im Internet und als junge Frau in der Politik berichtete. Ihr Appell richtete sich ausdrücklich auch an Männer: „Auch Männer können helfen. Männer können sagen: Das ist falsch.“ 

Dem schloss sich Kai-Uwe Kuwertz aus Schwarzenbruck, Initiator der Demonstration, klar an: Für Männer reiche es nicht mehr aus, lediglich keine Täter zu sein — sie müssten sich aktiv gegen strukturelle Gewalt und die Benachteiligung von Frauen positionieren. 

Diese Botschaft ist entscheidend. Eine Gesellschaft, die starke, sichere und gleichberechtigte Frauen hat, ist für alle besser: Sie ist innovativer, sozialer, stabiler. Familien funktionieren anders, wenn Frauen nicht in Angst oder Abhängigkeit leben. Kinder wachsen anders auf, wenn sie erleben, dass Grenzen respektiert werden — von Anfang an. Und Männer selbst gewinnen, wenn toxische Rollenbilder überwunden werden, die letztlich auch ihnen schaden.

Gewalt gegen Frauen kostet die Gesellschaft Milliarden — in Gesundheitskosten, in verlorener Arbeitskraft, in zerstörten Lebensläufen. Was uns aber viel mehr antreiben sollte: Sie kostet Würde. Und Würde ist nicht verhandelbar.

Dem Aufruf hatte sich ein breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen und politischen Organisationen angeschlossen: Frauennotruf Nürnberger Land, Frauenhaus Schwabach, die Linken Nürnberger Land, ÖDP Nürnberger Land, SPD-Ortsverbände Altdorf und Schwarzenbruck, Grüne Jugend Nürnberger Land, Team Vielfalt Nürnberger Land sowie Terre des Femmes. Diese Breite ist kein Zufall — das Thema verbindet, weil es alle betrifft. 

Als Grüne in Feucht und Moosbach stehen wir klar hinter dieser Botschaft. Gewalt gegen Frauen — körperlich, psychisch, digital — darf weder privatisiert noch verharmlost werden. Wer schweigt, schützt die Täter, nicht die Betroffenen. Das gilt auf dem Land genauso wie in der Stadt. Petra Winterstein (OV Schwarzenbruck) hat in ihrer Einführung ausdrücklich darauf hingewiesen, warum Gewalt gegen Frauen auf dem Land und fehlende Hilfsangebote es Betroffenen noch schwerer machen, Gewaltsituationen zu verlassen. Das ist auch für den Landkreis Nürnberger Land eine Aufgabe — und wir werden sie nicht aus dem Blick verlieren. Die Demonstration in Altdorf war ein starkes Zeichen. Wir nehmen es mit nach Feucht.

Andreas Sperling