Wenn Jugendliche selbst Gemeinderat spielen

Wie funktioniert eigentlich Kommunalpolitik? Was passiert, wenn sich im Ort verschiedene Interessen gegenüberstehen? Und wie entscheidet ein Marktgemeinderat eigentlich darüber, wofür Geld ausgegeben wird? Mit diesen Fragen beschäftigten sich Anfang August fünf Jugendliche im Rahmen des Ferienprogramms der Grünen Feucht.

Im Grünen Büro wurde kurzerhand ein eigener Marktgemeinderat eingerichtet. Die Jugendlichen schlüpften in unterschiedliche Rollen und vertraten dabei ganz verschiedene Interessen: von Naturschutz über Jugend und Sport bis hin zu Landwirtschaft, Gewerbe oder den Bedürfnissen von Familien und älteren Menschen.

Auf dem Programm stand dabei deutlich mehr als eine gewöhnliche Diskussion. Die Jugendlichen entwickelten eigene Ideen für den fiktiven Ort „Nass“, stellten einen Haushaltsplan auf, diskutierten Projekte, stimmten über ihre Vorschläge ab und mussten immer wieder auf unerwartete Ereignisse reagieren. Was tun, wenn plötzlich ein wichtiger Weg durch Starkregen beschädigt wird? Und was passiert, wenn eine unerwartete Förderung nur dann ausgezahlt wird, wenn heute eine Entscheidung getroffen wird?

Zur Auswahl standen unter anderem der Bau neuer Radwege, die Sanierung des Freibads, der Erhalt einer Obstwiese oder die Neugestaltung des Dorfplatzes. Dabei ging es nicht darum, vorgegebene Lösungen zu finden. Die Jugendlichen entwickelten selbst kreative Kompromisse und erlebten, dass politische Entscheidungen häufig bedeuten, unterschiedliche Interessen miteinander abzuwägen.

Am Ende stand ein eigener Haushaltsplan. Das Besondere: Das zur Verfügung stehende Budget wurde bewusst nicht vollständig ausgegeben. Die Jugendlichen ließen einen finanziellen Puffer übrig – schließlich konnte niemand wissen, welches unerwartete Ereignis als Nächstes auf den Marktgemeinderat zukommen würde.

Genau das war das Ziel des Planspiels: Kommunalpolitik nicht nur erklärt zu bekommen, sondern sie selbst auszuprobieren. Denn Entscheidungen in der Gemeinde sind keineswegs abstrakt. Ob Radweg, Freibad, Spielplatz oder Dorfplatz – Kommunalpolitik bestimmt ganz unmittelbar mit, wie der eigene Wohnort aussieht und wie man ihn erlebt.

Für die Grünen Feucht war deshalb vor allem eines wichtig: Die Jugendlichen sollten nicht nur zuhören, sondern selbst entscheiden, diskutieren und erleben, wie Demokratie funktioniert. Und wer weiß: vielleicht saß Anfang August ja bereits die eine oder andere zukünftige Marktgemeinderätin oder ein zukünftiger Marktgemeinderat im Grünen Büro.

Saskia Gumbert