Rund um Feucht haben in den vergangenen Wochen erneut Holzerntemaßnahmen der Bayerischen Staatsforsten stattgefunden. Bei den Feuchter Grünen gingen dazu Rückmeldungen von Bürgerinnen und Bürgern ein, die sich insbesondere am optischen Eindruck bzw. den Schäden an den betroffenen Waldflächen störten und sich gegen die Arbeiten aussprachen.
Die Feuchter Grünen nahmen dies zum Anlass, sich zunächst selbst ein genaueres Bild von Art, Umfang und Ziel der Waldpflegemaßnahmen zu machen. Der gebürtige Feuchter Markus Beier, der als Einsatzleiter bei den Bayerischen Staatsforsten tätig ist, erklärte sich dankenswerterweise bereit, ein Team der Feuchter Grünen bei einem nicht öffentlichen Waldspaziergang über die Arbeiten und deren Hintergründe zu informieren.
Am Vormittag des 9. August 2026 trafen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Wendeplatz hinter dem Tierheim Feucht. Von dort ging es rund zwei Stunden durch den Reichswald. Dabei wurden zahlreiche Aspekte der modernen Waldbewirtschaftung erläutert.
Ein Thema waren beispielsweise die sogenannten Rückegassen. Diese werden in regelmäßigen Abständen angelegt und ermöglichen es den Holzerntemaschinen, möglichst bodenschonend an zu entnehmende Bäume heranzukommen. Die Lage dieser Rückegassen ist digital erfasst und dokumentiert, sodass sie bei späteren Arbeiten wieder genutzt werden können.
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Wiederbewaldung der Flächen, auf denen durch die Holzernte Lücken entstehen. Dabei kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz: von der gezielten Aussaat und Anpflanzung bis hin zur Auswahl und Förderung der natürlichen Verjüngung. Ziel ist es insbesondere, die teilweise noch vorhandenen, überwiegend aus Nadelbäumen bestehenden Monokulturen Schritt für Schritt in stabile Mischwälder umzuwandeln. Dabei sollen Baumarten gefördert werden, die sowohl zu den jeweiligen Standortbedingungen als auch zu den erwarteten klimatischen Veränderungen passen.
Die Finanzierung dieses Waldumbaus erfolgt zu einem wesentlichen Teil über die Erlöse aus dem Verkauf des geernteten Holzes. Holznutzung und Waldumbau stehen damit nicht grundsätzlich im Widerspruch, sondern können miteinander verbunden sein.
Der Umbau des Reichswaldes zu einem stabileren und vielfältigeren Mischwald wurde bereits in den 1980er Jahren angestoßen und ist leider kein Selbstläufer. Es handelt sich um eine langfristige aktive Aufgabe, deren Ergebnisse sich teilweise erst nach mehreren Jahrzehnten vollständig zeigen werden.
Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurde bei dem Waldspaziergang deutlich, dass die auf den ersten Blick mitunter unschönen Veränderungen im Wald nicht isoliert betrachtet werden sollten. Hinter den Maßnahmen steht das Ziel, den Reichswald langfristig gesund, widerstandsfähig und anpassungsfähig zu erhalten.
Ein gesunder Wald rund um Feucht ist dabei von großer Bedeutung – als Lebensraum für Tiere und Pflanzen, als CO₂-Speicher, als Beitrag zu einem ausgeglichenen lokalen Klima und nicht zuletzt als wichtiges Naherholungsgebiet. Der Schutz und Erhalt dieses Waldes gehören daher seit jeher zu den Anliegen der Feuchter Grünen.
Umso wichtiger sind ein kontinuierlicher Austausch und ein gutes Verständnis dafür, welche Ziele hinter den sichtbaren Maßnahmen stehen.
Dr. Klaus Sterzel